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  • Alex Pflüger — Wo Biodynamite zu Hause ist

    Wir treffen den Winzer und Weinenthusiasten Alexander Pflüger direkt bei sich auf dem Hof seines Weinguts und er nimmt uns mit hinein in die gute Stube und seinen gemütlichen Tasting Room, der sich mitten im Wohnhaus der Familie Pflüger befindet. Als Bonuspunkt gibt es gleich noch einen Kamin in einer Ecke, der an kalten Tagen dazu einlädt, seine Beine lang zu machen, den köstlichen Spätburgunder im Glas wirbeln zu lassen und einfach mal eine halbe Stunde länger zu bleiben. Hier im Herzen von Bad Dürkheim gelegen und direkt am Wurstmarkt-Festplatz und der Saline treffen Landwirtschaft, Handwerk, Herz und Seele wie geballte Kräfte aufeinander. Wer hier arbeitet, bringt Begeisterung für Wein mit, das haben wir sofort gefühlt. Was wir auch merken, ist der Wein, der uns um 10:00 Uhr morgens fröhlich in den Kopf steigt, wobei noch zwei weitere Weingüter an diesem Tag auf dem Programm stehen. Wir können euch verraten, es lief bombastisch.

    Alex Pflüger checking greenery amid the vines

    Seit 1985 versteht Familie Pflüger den Weinberg als lebendigen Ort, in dem mit Bodenbegrünung und Kompostierung, einem Verzicht auf jegliche Pestizide, Herbizide und Insektizide und einer defensiven Kellerwirtschaft, die auf Individualität ausgerichtet ist, gearbeitet wird. Diese Tradition führt Alex fort, im Jahr 2008 wurde das Weingut komplett auf bio-dynamischen Weinbau umgestellt. Das merkt man auch wenn man sich mit Alex unterhält, das Streben danach hinter den Vorhang zu blicken und seine eigene Passion, das Handwerk und die Wissenschaft in Einklang zu bringen, spielt immer eine Rolle. Natürlich funktioniert das Ganze am besten mit seinem verschmitzten Lächeln, welches er stets auf den Lippen trägt.

    Er erklärt uns das Spannungsfeld zwischen seiner Arbeit und der Natur, die sich selbst überlassen werden soll, um sich ungestört zu entfalten und dem schonenden, aber flüssigen Einsatz von Technik. Aber vielleicht ist das gerade die große Herausforderung, meint er. Man muss nicht alles messen können bei der Herstellung oder der Arbeit. Ein gesundes Maß an Bauch- und Fingerspitzengefühl, hin zur eigenen Ausprägung und Individualität des Schaffens, ist stets präsent. Der Wert des Erzeugten soll immer erkennbar bleiben. Niemand will von oben herab predigen, aber das Heranführen und die Bildung über diese einzigartigen Weine und wo sie entstehen, sollte relevant sein, führt er aus.

    Gerade der Begriff biodynamischer Anbau ist in letzter Zeit in aller Munde. Deshalb kommen auch wir nicht umhin, Alex einfach mal zu fragen, was es damit auf sich hat. Bestimmte Abläufe sind nicht verhandelbar bei der “Begleitung von Wein”. Schon da spitzen wir die Ohren. Alex drückt es so aus: “Ich produziere eigentlich keinen Wein, ich begleite ihn”. Fangen wir aber am Anfang an: Der ökologische Landbau ist im Wesentlichen eine Fortsetzung der traditionellen landwirtschaftlichen Methoden, aber ohne jeglichen Einsatz von synthetischen Chemikalien. Die Biodynamik (vom griechischen bios für Leben und dynamikos für kraftvoll) bewegt sich auf einer anderen Ebene. Einer ihrer führenden Vertreter, Nicolas Joly, umschreibt die Biodynamik wie “das Einstellen eines Radios. Wir stimmen die Rebe auf die Frequenzen ab, die sie zum Leben erwecken”. Konkret bedeutet das für Alex, dass der Fokus nicht auf der Produktion liegt, sondern auf dem Respekt vor der Natur, auf Individualität und Biodiversität. Er bewirtschaftet den Boden so, dass ein Kreislaufsystem entsteht. Der Weinberg ist mit einer Vegetation bepflanzt, die eine lebende Fauna anzieht, was den Einsatz von Düngemitteln ersetzt. Im Keller verwendet er keine Gentechnik, keine Reinzuchthefen und keine Nacharomatisierung.

    Pflüger checking the soil / collected grapes / Pflüger wine bottles in grass

    “Ich produziere eigentlich keinen Wein, ich begleite ihn.”

    Es gibt einen gewissen Druck seitens der Weinindustrie, die immer noch größtenteils dem Ansatz der additiven Önologie folgt. Kleinere Betriebe können oft nicht mit den großen konkurrieren, vor allem wenn sie mit nachhaltigen Praktiken arbeiten, die die Arbeit umso teurer machen. Der biologische Weinbau setzt die Untergrenze, um mit diesen Praktiken auf natürliche und sensible Weise umzugehen. Aber Alex lässt sich nicht abschrecken. Er sieht Wein als Katalysator und verbindendes Modell für die Zukunft, und genau wie seine Weinlagen nutzt er diese Philosophie, um seine Prozesse von Anfang bis Ende zirkulär zu hinterfragen.

    Wir haben jetzt schon ein paar seiner Weine probiert, aber jedes Mal, wenn wir ein Glas ausgeschlürft haben, ist Alex bereit, uns ein neues einzuschenken. Die Unterhaltung ist gut, die Gesellschaft auch, und auch wenn der Stundenzeiger noch vor dem Mittagessen steht, kommen wir dem gerne nach und trinken ein wenig weiter.

    Weingut Pflüger

    Wir wenden uns nun dem eher pädagogischen Aspekt des Weins zu. Alex ist der Meinung, dass die Menschen sich wieder an ihre Umwelt annähern, aus dem Haus gehen und das landwirtschaftliche Erlebnis schätzen sollten. Als Lebensmittel kann Wein ein perfektes Medium sein, um den Menschen den Anbau und den sorgfältigen Umgang mit Nahrungsmitteln näher zu bringen. Die Arbeit mit Wein bringt auch Fragen mit sich: Was habe ich da vor mir? Woher kommt es? Wie wurde es hergestellt? Was führe ich meinem Körper zu? Man ist, was man isst. Die Beziehung zu uns selbst ist auch die Beziehung zu den Dingen, die wir konsumieren. Und wenn dieses Interesse an dem, was wir konsumieren, weiter wächst, können wir wieder eine direktere Verbindung zu den Produkten herstellen, woher sie kommen und wie sie hergestellt werden. Und das wiederum kann erklären, warum die Dinge das kosten, was sie kosten, und warum es einen Unterschied zwischen einem 2€-Supermarkt-Wein aus dem unteren Regal und einem 8€-Wein aus biodynamischem Anbau gibt.

    Wie viel sollte eine gute Flasche Wein kosten? Wie viel ist die Arbeit und der Aufwand, der in 750ml vergorenen Traubensaft steckt, wert?

    Mit ein paar Flaschen im Gepäck und einem breiten Grinsen im Gesicht, beenden wir unseren süffigen Vormittag auf dem Weingut Pflüger. Der soziale Aspekt des Weins ist hier nicht von der Hand zu weisen. Zwei, drei Stunden saßen wir zusammen und tauschten Geschichten aus mit einem stolzen Winzer. Geschichten von Dingen, die wir kennen, nicht kennen und solchen, von denen wir gerne mehr erfahren würden. Gute Geschichten, die zum Lachen und zum Schmunzeln anregen. Manchmal auch nicht so gute, wenn man zu tief ins Glas schaut. Wein kann durchaus den Stoff dafür liefern, ebenso wie Fabeln, oder neue Ideen, oder auch neue Freundschaften.

    Wir sehen eine große Synergie für die Zukunft unserer Zusammenarbeit mit Alex Pflüger. Wir freuen uns, uns gegenseitig zu unterstützen, um das “Back to the Roots”-Gefühl zu vertiefen und eine Win-Win-Situation für Kunden, Natur und unsere Gemeinschaft zu erreichen. Wir möchten alle, dass unsere Kunden ein echtes Interesse daran haben, fortschrittlichere Winzer kennenzulernen und zu erfahren, was sie leisten können und nicht nur einen einfachen Saufausflug machen. Und das ist eine Verantwortung, der wir uns gerne stellen. Wir sind stolz auf unsere Zusammenarbeit mit Alex und dem Weingut Pflüger und laden Euch ein, dieselben biodynamischen Weine zu probieren, die ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit geworden sind und nicht wenigen unserer Gäste ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert haben.

    Alex Pflüger leaning against a wall

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